Chorsymphonie zum 850. Stadtjubiläum
Was komponiert man für München zum 850. Geburtstag? – Helga Pogatschar wäre nicht Helga Pogatschar, wenn sie den Kompositionsauftrag der Stadt nicht auf ihre ureigene musikalische Art beantwortet hätte. Einen Bittbrief des Komikers Karl Valentin, geschrieben 1945 an den Münchner Oberbürgermeister, vertonte sie für 3 Chöre, Kinderchor, Kammerorchester und Sologesang. Die grotesken Wortspiele und der anarchistische Galgenhumor Valentins liefern den perfekten Grundton für ihre Chorsymphonie, in der sie sich nicht vor skurrilen Klang- und Geräuscheffekten scheut. Wer nun reinen Klamauk erwartet, hat sich getäuscht. Karl Valentins tragikomisch verzerrter Brief aus dem „Planegger Ausland“ offenbart die ganze persönliche Krise des ausgebombten Münchners. Besonders fasziniert war Helga Pogatschar von den durchaus ambivalenten, ja zum Teil „hinterfotzigen“ Charakterzügen, die der Komiker durchscheinen lässt. Gespickt mit kuriosen Elementen und zugleich düster und bedrohlich schreitet ihre Musik unaufhaltsam auf den Abgrund zu – und spannt einen weiten Bogen vom Dritten Reich über die Not der Nachkriegszeit bis hin zum Untergang eines großen Münchner Künstlers. So gerät die Auseinandersetzung mit Karl Valentin zur einer bittersüßen Liebeserklärung an München. Die Uraufführung des halbstündigen Werkes ist am 13. Juli 2008 um 20 Uhr in der Philharmonie am Gasteig. Es singen Salome Kammer, Vokalspezialistin für Neue Musik, Capella Vocale München, der via-nova-chor und ein Münchner Kinderchor, begleitet von Blockflöte, Klarinette, Posaune, Klavier und Schlagzeug unter der musikalischen Leitung von Michael Gläser. |